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Spielberichte 2. Liga 99/00
17. Spieltag (Nachholspiel): Stuttgarter Kickers - KSC 2:1

02.03.2000, Stuttgart, Waldaustadion

Im Duell des Vorletzten gegen den Letzten ging es bereits um eine Vorentscheidung im Kampf um den Klassenerhalt. Am "Schmotzigen Donnerstag" hatten deshalb rund 1.000 KSC-Fans offenbar nichts Besseres zu tun, als ihre Gurkentruppe in Degerloch zu unterstützen. Wir machten uns per Sonderzug auf den Weg. Die Fahrt war recht lustig, und die Zeit wurde genutzt, einen Großteil der Fans mit Herzchen zu bemalen - wenn schon keine Krawattenträger als Opfer zur Verfügung standen.

Nach einer Stunde fiel die Horde dann unter lautstarken Gesängen im Bahnhof der Spätzlemetropole ein. Zunächst ging es in die Innenstadt, da noch einige Zeit bis zum Anpfiff blieb. Nach einer kurzen Stärkung bei McDoof (Schleichwerbung...) fühlten wir uns für die kommenden neunzig Minuten ausreichend gestärkt und machten uns auf in Richtung Waldaustadion. Die Stimmung unter dem KSC-Anhang hielt sich zunächst in Grenzen, wobei man den Kickers-Fans allerdings gerade noch Paroli bieten konnte. Beim Einlauf der Mannschaften wurde auf unserer Seite neben Rauch und Bengalos auch ein vielsagendes Spruchband mit der Aufschrift "IHR HABT UNS NICHT VERDIENT" an die Adresse der Mannschaft gerichtet.

Los ging's und schon nach zehn Minuten wurden eventuelle Hoffnungen auf einen Auswärtssieg zunichte gemacht. Ausgerechnet der ehemalige KSCler Tomislav Maric nutzte eine Unaufmerksamkeit der badischen Abwehr und erzielte die Führung. Die Rot-Gelben hatten dem nichts entgegen zu setzen und kamen im Verlaufe der ersten Hälfte immerhin sensationell zu einer (!) Torchance.

Die zweite Halbzeit war nicht viel besser und in der 69. Minute sorgte Minkwitz nach einer geistigen Abwesenheit von Marc Arnold für das 2-0 und die Vorentscheidung. Von nun an schwankte die Stimmung im KSC-Block zwischen Sarkasmus ("Nie mehr zweite Liga"), Wut ("Wir haben die Schnauze voll") und Hasstiraden in Richtung Mannschaft ("Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot"). Ach ja, in der 82. Minute gelang Christian Fährmann noch das 1-2 - zumindest die Chancenauswertung war top an diesem tristen Abend. Keeper Simon Jentzsch, den einzigen Akteur, der Normalform erreichte, hielt von nun an nichts mehr in seinem Kasten. Obwohl die KSC-Bank ihn wild gestikulierend zurückhalten wollte, versuchte er sich erfolglos als Stürmer. Zumindest war diese verzweifelte Aktion des Schlussmanns wohl ein Anzeichen dafür, dass er mit Herz dabei ist und nicht dieselbe Gleichgültigkeit an den Tag legt, wie offenbar ein Großteil seiner lethargisch agierenden Mitspieler.

Einen Platzverweis wegen Unsportlichkeit gab es noch kurz vor Schluss für einen Kickers-Akteur, was der Form halber nicht unerwähnt bleiben soll.

Nach der neuerlichen Pleite in diesem zum "Schicksalsspiel" hochstilisierten Derby braucht man sich wohl keine Gedanken über den Klassenerhalt mehr zu machen. Wer derartig stümperhafte Fehler in rohen Mengen produziert, hat eben im Profifußball nichts verloren. Was die Identifikation der Spieler mit dem Verein betrifft, ist die Antwort schon oft genug auf dem Platz gegeben worden - am deutlichsten wohl bei der grauenhaften Vorstellung in Gladbach drei Tage zuvor.

Nach dem Spiel gab es anscheinend noch einige hitzige Diskussionen am Mannschaftsbus, wovon wir allerdings nichts mehr mitbekamen, da wir zum Zug mussten. In Karlsruhe angekommen, wurde zum Ausklang des "Schmotzigen Donnerstag" der Abschied von der verhassten zweiten Liga noch gebührend gefeiert - HELAU!!!


Siehe auch:
> 2. Liga 99/00 > 17. Spieltag: Stuttgarter Kickers - KSC 2:1
17. Spieltag: Stuttgarter Kickers - KSC 2:1
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